Das Klassentreffen

27. Dezember 2019

Für viele gehört ein Klassen- oder Jahrgangstreffen zu Weihnachten wie Schlemmerorgien, panische Last-Minute-Geschenkekäufe und das obligatorische Sockenpaar unterm Tannenbaum.  
Auch ich habe mich in den letzten Jahren immer wieder gern auf den Weg gemacht in meine alte Heimat, um ein paar Schulkameraden von damals zu treffen. (Apropos: Sagt eigentlich noch irgendwer „Schulkameraden“? Vermutlich nicht. Man merkt irgendwie, dass mein Abitur inzwischen zwanzig Jahre her ist, was mehr ist als mein halbes Leben. Schockschwerenot!!)
Ich mag Klassentreffen.
Ich mag es, zu sehen, wer sich wie verändert hat, und es ist so schön, wenn man nach ein paar heimlich gedachten „Ui, der hat aber abgenommen!“, „Ui, der hat ja noch gar keine Falten!“ und „Ui, der sieht aber ganz schön überarbeitet aus!“ feststellt, dass das Lachen bei allen noch exakt dasselbe ist wie zu den Zeiten, in denen die anstehende Klassenfahrt das wichtigste Ereignis des ganzen Universums war und man ganze Physik-Doppelstunden damit verbrachte, in völliger Entrücktheit den Schwarm in der Reihe gegenüber anzustarren, in der Hoffnung, ein Zeichen von ihm zu erhalten, dass er genauso fühlte wie man selbst.
Ich mag es, wenn die Ernsthaftigkeit in den Gesichtern der nunmehr braven Familienväter, erfolgreichen Anwälte, Professoren und Programmierer nach und nach dem damaligen Schalk weicht und die wundervollen Geschichten aus der guten alten Zeit wieder und wieder auf den Tisch kommen, bei denen man heute nur ungläubig den Kopf schütteln kann.
Ich mag es, dass, obwohl man die meisten nur alle Jubeljahre einmal sieht, sofort wieder die alte Vertrautheit da ist, die daher rührt, dass man mit diesen Menschen in den Jahren seines Erwachsenwerdens nicht selten mehr Zeit verbracht hat als mit der eigenen Familie.
Bei dem einen ist es die leicht geschwurbelte Art zu reden, die einen so sehr an früher erinnert, gespickt mit diesem besonderen ironischen Ton und dem manchmal leicht versteckten Witz.
Beim Nächsten das ansteckende Lachen und sein phänomenales Gedächtnis, das ihm erlaubt, all die Lausbubengeschichten, Streiche und Sprüche von damals wieder so lebendig werden zu lassen, dass man glaubt, wieder auf den harten Holzstühlen in dem stickigen kleinen Raum zu sitzen, in den die Schulleitung uns damals verbannt hatte.
Bei seinem Sitznachbarn ist es die etwas laute, immer selbstbewusste Art, die er mit der gerade richtigen Portion Charme würzt.
Es ist wohl diese ganz besondere Mischung aus Nostalgie und dem beruhigenden Gefühl, dass sich manche Dinge nie ändern, die diese Treffen so besonders macht.
Ach, Klassentreffen sind herrlich. 
Nächstes Jahr gehe ich wieder hin. 
Ihr auch?   
Eure Lilli 💞
P.S.: Mein heimlicher Schwarm von einst ist übrigens immer noch genau so wie damals: einfach toll. Ich hatte eben schon immer einen guten Geschmack. 😉